2002 war Streetart in Deutschland groß im Kommen: Schablonen, Plakate, Installationen und Sticker waren überall im öffentlichen Raum zu sehen. In den Städten waren die Ampeln, Haltestellen und Häuserfronten voll davon. Jeder Künstler hatte sein Erkennungsmerkmal – eine Figur oder ein Zeichen – mit dem man sein Werk identifizieren konnte. Ein Spaziergang durch eine Stadt war immer spannend; vorausgesetzt, man nahm die bunten Bildchen auf der Straße überhaupt wahr und interessierte sich dafür.

Ich, Anfang 20, fand das natürlich fantastisch und wollte unbedingt dabei sein. So fing ich an, mir über meine Streetart-Identität Gedanken zu machen. Dass die meisten Streetartists ehemalige Writer waren (im Gegensatz zu mir), sah man ihren Stickern an: Sie benutzten Eddings oder Sprühdosen. Das Meiste davon sah mir zu sehr nach HipHop aus. Ich fand es zwar nicht schlecht, aber es war auch nicht das, was ich mir vorstellte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Freehand MX-Handbuch gerade zu Ende gelesen und auch das Programm verstanden. So lag nichts näher, als mit einem sauberen, fast sterilen Vektorenlook ein Kontrastprogramm aufzustellen. Ich mochte den Look der 20er und 30er Jahre-Cartoons, besonders den der "Screen Songs" von Max Fleischer, der Walt Disney´s Silly Symphonies und der Tex Avery Show: Eine verrückte Kuh im Anzug, ein Affe in einem Pagenkostüm oder ein pummeliges Pfefferkuchenmännchen, so etwas in der Art hatte ich mir vorgestellt. Doch auch nach intensiver Recherche, mehreren Entwürfen und Skizzen kam ich zu keiner Lösung. Alles war ganz ok, aber nicht gut genug. So landete jeder Entwurf im Papierkorb.

Das ging solange, bis ich eines Abends aus purer Langeweile meine Gesichtszüge von einem Urlaubsfoto abpauste. Auf dem Foto trug ich eine Sonnenbrille und hatte meine damals schulterlangen Haare offen. Ich minimierte die Kurvenpunkte, vereinfachte und spiegelte die Pfade, dann änderte ich Mund und Augen. So enstand plötzlich ohne große Planung die Figur, die bis heute auf meinen Stickern zu sehen ist. 2002 gab es noch keine günstigen Online-Druckereien wie heute; Sticker herzustellen war relativ teuer und nur in Eigenproduktion im Copyshop möglich. Hier erwies sich die Farbgebung als sehr zweckdienlich für die Auflage.
Denn eine Schwarz-Weiß-Kopie kostete im Vergleich zu einer Farbkopie das Zehnfache. So hat also alles angefangen.

Wer WOKASOMA-Sticker besitzt oder einen gesehen hat und mir eine kleine Freude machen mag, kann mir ein aussagekräftiges Foto an info[at]wokasoma.com schicken.

Für mich ist es nämlich sehr spannend zu sehen, wo die Aufkleber denn im Lauf der Zeit überall gelandet sind.


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